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Projekt: Josef Felder
Kindheit und Jugend
1. Josef Felder Kindheit und Jugend
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

2. Felders Beobachtungen zur Räterepublik
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

3. Die Entstehung der Arbeiterparteien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

4. Die Sozialistengesetze
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

5. Die SPD von 1890 bis 1914
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

6. Die SPD in der Zerreißprobe (1.WK)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

7. Parlamentarisierung
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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5. Die SPD nach 1890

Das Erfurter Programm

Nach dem Sturz Bismarcks fiel das Sozialistengesetz. 1891 nannte sich die Partei „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD). Sie reagierte auf die zunehmende Verelendung des Proletariats und die zugespitzten Klassenverhältnisse im Reich mit der Formulierung des Erfurter Programms. Dieses Parteiprogramm vertrat marxistische Positionen und forderte die Vergesellschaftung der Produktionsmittel als Grundvoraussetzung für di Befreiung des Proletariats.

Der Revisionismus

In der Folgezeit zerfiel die einheitliche Linie der Sozialdemokratie wieder. Eduard Bernstein stellte die Prognosen von Marx und Engels zur weiteren Entwicklung der Industriegesellschaft in Frage und forderte eine Revision des Parteiprogrammes , denn die Zuspitzung der gesellschaftlichen Verhältnisse habe sich nicht in der vom „Kommunistischen Manifest“ prognostizierten Weise vollzogen, die Katastrophentheorie von Karl Marx und Friedrich Engels sei daher obsolet.


Weder sei es zur Schrumpfung der Kapitalmagnaten noch des Mittelstandes gekommen. Dank einer sich „immer kräftiger regenden Arbeiterbewegung“ würden die politischen Einrichtungen der modernen Nationen immer mehr demokratisiert.


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Wahlerfolge der Sozialdemokraten 1890, 1890

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Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und des Reifegrades der Arbeiterklasse sei es weitaus erfolgversprechender, pragmatisch „für das politische Recht der Arbeiter, auf die politische Betätigung der Arbeiter in Stadt und Gemeinde für die Interessen ihrer Klasse, sowie auf das Werk der wirtschaftlichen Organisation der Arbeiter den allergrößten Wert“ zu legen.


Bernstein war infolgedessen der Ansicht, dass die deutsche Sozialdemokratie keine Revolution anstreben müsse, um ihre Ziele einer demokratischen Gesellschaft zu erreichen. Der Verlauf der Geschichte und insbesondere das Wahlverhalten im Kaiserreich zeige, dass in Kürze die Sozialdemokratie die Mehrheit im Reichstag mit dem Stimmzettel erreiche und damit ihre Ziele auf dem Wege der Reformen anstreben könne.


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Portrait Eduard Bernsteins

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Der Aktionismus

Dem Revisionismus Bernsteins stand die Gegenposition des Aktionismus gegenüber, der vor allem von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht vertreten wurde. Die „Aktionisten“ sagten eine baldige politische Revolution voraus, die sie durch gezielte Einzelmaßnahmen wie z.B. politische Generalstreiks entsprechend fördern wollten.


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Rosa Luxemburg ...

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... und Karl Liebknecht

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Der Reformismus

Eine dritte Richtung, der sogenannte „Reformismus“, wurde vom Vorsitzenden der bayerischen SPD, Georg von Vollmar, vertreten. In seinen „El Dorado“- Reden rechtfertigte Vollmar eine pragmatische Ausrichtung mit dem Ziel, die SPD mit anderen Parteien, z.B. mit dem bayerischen Zentrum, bündnisfähig zu machen.


Der Kompromisskurs Bebels

Die Parteispitze unter August Bebel sah sich angesichts dieser divergierenden Positionen veranlasst, einen Kompromisskurs zu proklamieren, um eine Spaltung der Partei zu verhindern. „Die SPD ist eine revolutionäre Partei, macht aber keine Revolution“ erklärte Bebel und ermöglichte so den reformistischen Kräften, ihr Ziel, die Zusammenarbeit mit bürgerlichen Parteien, durchzusetzen.


Bei den Reichstagswahlen 1912 ging die SPD ein Bündnis mit den Linksliberalen ein. In den Wahlkreisen, in denen eine Stichwahl erforderlich war, einigten sich die Parteien auf einen gemeinsamen Kandidaten. Dadurch erreichte die SPD nicht nur wie schon 1890 die meisten Stimmen, sondern errang nun auch die meisten Mandate (34,8% der Stimmen bei 84,2 % Wahlbeteiligung).

Die SPD wird stärkste Partei und Reichstagsfraktion

Im Jahre 1914 zählte die SPD mehr als 1 Million Mitglieder, und übertraf damit jede andere Partei in Deutschland. Die meisten Anhänger der SPD rekrutierten sich weiterhin aus der industriellen Arbeiterschicht, jedoch nahm sie auch zunehmend auf den Mittelstand Einfluss.


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Georg von Vollmar

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Die SPD unterhielt zur Zeit des Kaiserreiches ein dichtes Organisationsnetz von Vereinen und prägte somit das soziokulturelle Milieu ihrer Anhänger und der Arbeiterschaft im Gesamten.

Noch vor dem ersten Weltkrieg entwickelte sich im Parlament eine Zusammenarbeit zwischen SPD und den bürgerlichen Mitte-Links-Parteien, diese Koalitionen waren jedoch nur die weiterreichenden Ausläufer dessen, was
zuvor bereits auf regionaler Ebene geschehen war.
Die führenden Kräfte des Reiches und auch der Großteil des Bürgertums betrachteten den rapiden Aufstieg der Sozialdemokraten mit wachsender Furcht und steigendem Misstrauen.



Die Rolle August Bebels

Der Historiker Michael Stürmer beurteilte die überragende Rolle des Parteivorsitzenden August Bebel wie folgt:

„Bebel wurde im Reichstag der große Widerpart der gesamten bürgerlichen Rednerliste, von Eugen Richter beim Fortschritt bis zu Heydebrand bei den Konservativen. Er formulierte die Rechenschaftsberichte der Fraktion. Er konnte Partei-Karrieren machen oder verhindern. Alles stärkte seine Macht über die Partei, Charisma war im Spiel, das ihn zugleich in Utopie trieb und in Polemik. Die Partei führte Bebel als Massenbewegung vom marxistischen Zentrum aus. Ihre Parteitage dienten mehr der Akklamation der Führung als deren Rechtfertigung. Die Partei der Außenseiter wurde Staat im Staat, und Bebel riss Gräben auf, wo immer sie sich aufreißen ließen, schuf Trennungen zu Liberalen und Christen, wo immer möglich. So hat Bebel das flache Spätaufklärertum der Arbeiterbildungsvereine zugespitzt zu einem Prinzipienkampf gegen Religion und Kirchen. Er fürchtete deren soziales Engagement. In der katholischen Soziallehre und der evangelischen Sozialethik sah er nicht die Chance der Versöhnung, sondern die Bedrohung der Organisation. So musste die Sozialdemokratie kämpferisch und kompromisslos sein im Kampf um die Seelen und Gegenkirche werden.


Damit aber hat Bebel, der mehr auf die Ratio setzte als auf das Gemüt, die Partei ideologisch und sozial eingemauert und die Mehrheitschance auf lange Zeit verspielt. Aber Bebel war zu sehr ein Gegen-Bismarck, um Kompromisse zu formulieren, wenn sie sich vermeiden ließen. Zuspitzung, Polemik, scharfe Grenzen: das waren die Mittel seines Charisma. Dazu die Vermeidung jener politischen Reformen, die zwischen Fernziele und Gegenwart vermitteln konnten.  [...]


hier
August Bebel

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Er war ein kleiner, drahtiger und zart wirkender Mann, eher leidenschaftlich als vergeistigt. Von grober Schimpfe bis zur haarspaltender Genauigkeit stand ihm jedes Register zur Verfügung. Die Schwächen seiner Gegner kannte er besser als ihre Stärken. Wenn er im Reichstag sprach, so fand er, je älter er wurde, viel Respekt selbst unter seinen zahlreichen Gegnern. Redete er auf öffentlichen Plätzen, so wurden die Kinder hochgehalten. Kam er in eine Arbeiterstadt, so herrschte Geburtstagsstimmung. Als er 1913 starb, war er längst eine historische Gestalt geworden, ein Führer mit Legende.


Führer aber, so ist zu fragen, wohin? Vielleicht besaß er eine Vision eines Landes der Freiheit und Gerechtigkeit. Aber wie aus dem Hier und Heute, dem Bebel den Krieg erklärt hatte, jenes Traumland zu erreichen wäre, gab er niemals preis. Die Diskussion darüber unterblieb oder fand nur in Form der Revisionismusdebatte statt. Bebel war zu mächtig und zu klug, als dass er die Stellung des Volkstribunen durch operatives Abwägen kompromittieren wollte. Ob er sich ein anderes Deutschland jenseits des Kaiserreichs vorstellen konnte? Gewiss ist, dass er am Ende seines Lebens umgetrieben wurde von der Ahnung künftiger Vernichtungskriege. Seine Warnungen davor und seine dem Landesverrat eng verwandte Informationsvermittlung an das Foreign Office ..... hatten ethische Qualität. Das aber war 1912 und 1913 im Blick auf den Ernstfall getan, nicht den altgewohnten der linken Rhetorik, sondern den modernen des industriellen Krieges. Sonst aber? Die visionäre Rhetorik gehörte zu den Voraussetzungen seiner Machtstellung, nicht anders als die Sachkompetenz im Reichstag und das Meinungsmonopol in der Partei. Gesinnungsethik und Machtinstinkt des Volksführers prägten ihn. Die Verantwortungsethik des Staatsmannes blieb ihm versagt. Die deutsche Sozialdemokratie der Jahrhundertwende und noch lange danach aber blieb in ihrer reformerischen Praxis wie in ihrem politischen Versagen die Partei August Bebels.“


Michael Stürmer, Das ruhelose Reich, Berlin 1994, S. 305f


Text: Tobias Eder


Literatur und Internetressourcen:
www.SPD.de - Geschichte
www.dhm.de/lemo - Innenpolitik im Kaiserreich)
Volker Berghahn, Das Kaiserreich 1871-1914.
Industriegesellschaft, bürgerliche Kultur und autoritärer Staat. Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, 10. Auflage, Band 16; Stuttgart 2003; S. 305-332;
Michael Stürmer, Das ruhelose Reich. Deutschland 1866-1918; Berlin 1994
K.D. Erdmann, Die Zeit der Weltkriege, Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, 9. Auflage, Stuttgart 1973
Hagen Schulze, Weimar. Deutschland 1917-1933; Berlin 1982
Walter Tormin (Hrsg.), Die Weimarer Republik; Hannover 1973

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