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Projekt: Josef Felder
Kindheit und Jugend
1. Josef Felder Kindheit und Jugend
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

2. Felders Beobachtungen zur Räterepublik
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

3. Die Entstehung der Arbeiterparteien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

4. Die Sozialistengesetze
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

5. Die SPD von 1890 bis 1914
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

6. Die SPD in der Zerreißprobe (1.WK)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

7. Parlamentarisierung
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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6. Die Sozialdemokratie in der Zerreißprobe des I. Weltkrieges

Die Internationale, die SPD und die Frage der Kriegskredite


Die Julikrise in Europa 1914 stellte die Sozialdemokratie in Deutschland vor eine Zerreißprobe. Die Frage stellte sich, ob die innere Integrationskraft der Staaten und Völker in der Lage sein würde, die gegensätzlichen Parteien, Wirtschaftskräfte, soziale Schichtungen und die Träger der öffentlichen Gewalt zu einer einheitlichen Willensrichtung zusammengeführt werden konnten. Von entscheidender Bedeutung war die Haltung der Sozialdemokratie. Das galt zwar für alle Länder, in besonderem Maße aber für Deutschland, dessen Arbeiterbewegung in Europa als führend galt.


Immer wieder hatte sich die Zweite Internationale , so zum Beispiel in Stuttgart 1907, mit der Frage befasst, wie ein Krieg zu verhindern sei, war aber zu keinen verbindlichen Beschlüssen gelangt. Es wurde weder die Pflicht zur Vaterlandsverteidigung verneint noch war eine Verpflichtung zum Generalstreik oder Aufstand ausgesprochen worden. Immerhin hatte man sich auf eine Kompromissresolution geeinigt, deren revolutionärer Schlusssatz auf Lenin und Rosa Luxemburg zurückging:


„Droht der Ausbruch eines Krieges, so sind die arbeitenden Klassen und deren parlamentarische Vertreter in den beteiligten Ländern verpflichtet, unterstützt durch die zusammenfassende Tätigkeit der Internationalen Bureaus, alles aufzubieten, um durch die Anwendung der ihnen am wirksamsten erscheinenden Mittel den Ausbruch des Krieges zu verhindern, die sich je nach der Verschärfung des Klassenkampfes un der Verschärfung der allgemeinen politischen Situation naturgemäß ändern. Falls der Krieg dennoch ausbrechen sollte, ist es die Pflicht, für dessen rasche Beendigung einzutreten und mit allen Kräften dahin zu streben, die durch den Krieg selbst herbeigeführte wirtschaftliche und politische Krise zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen und dadurch die Beseitigung der kapitalistischen Klassenherrschaft zu beschleunigen.“


(Internationaler Sozialistenkongress zu Stuttgart, 18.-24. August 1907(1907), S. 64-66)


Noch auf dem außerordentlichen Kongress in Basel 1912 zeigten sich die führenden Sozialisten der europäischen Länder überzeugt, dass die sozialistische Arbeiterführung stark und solidarisch genug sei, den Krieg zu verhindern. Allerdings blieb das Recht und die Pflicht auf Vaterlandsverteidigung gegen einen unprovozierten Angriff bei der Mehrheit der Sozialdemokraten unbestritten. Innerhalb der SPD gab es völlig unterschiedliche Ansichten, wie sich die Partei im Falle eines Krieges zu verhalten habe.



hier
Die Abgeordneten der SPD im Reichstag, 1914

Vollbild (34 kb)


Die Haltung Eduard Bernsteins zum Krieg

Für Eduard Bernstein lag die Hauptgefahr für den Frieden in der nationalistischen Kriegspsychose. Der Demokratie schrieb er eine friedensfördernde Wirkung zu. Wenn aber der Friede gewährleistet werden sollte durch demokratische Reform, dann ergab sich daraus, dass der Staat auf dem Weg zu sozialen und politischen Reformen gegen äußere Bedrohung zu verteidigen war: „Den Sozialisten keines in den Krieg hineingerissenen Landes wird zugemutet, sobald der Krieg Tatsache ist, die Kriegsmittel zu verweigern und sich der Beteiligung an der Verteidigung des eigenen Landes zu entziehen.“


(Eduard Bernstein, Die internationale Arbeiterklasse und der europäische Krieg (1915), zit. bei W.Wette, Kriegstheorien, S. 141)


Die Haltung Karl Kautskys

Karl Kautskys Haltung war indes schwankender. Er war nicht der Ansicht, dass die ökonomische Gesetzmäßigkeit des Kapitalismus zwangsläufig zum Krieg führen müsse. Erst durch die Verbindung von Kapitalismus und Militarismus entstehe Kriegsgefahr. Die Differenzierung von Verteidigungskrieg und Angriffskrieg lehnte Kautsky ab, da im konkreten Fall unmöglich zu entscheiden sei, ob ein wirklicher oder ein vermeintlicher Angriffskrieg vorliege. Während des Krieges veränderte er allerdings seine Position. Er hielt eine Beteiligung an einem nationalen Verteidigungskrieg mit den sozialistischen Grundsätzen für vereinbar.


Wenige Tage vor dem Attentat in Sarajewo schrieb Kautsky an Hugo Haase:
„Ich bleibe dabei, dass es unsere Pflicht ist, im Falle einer Kriegsgefahr alles aufzubieten, was wir vermögen, um einen Krieg zu verhindern, dass es aber ein verbrecherischer Unsinn wäre, wenn wir versuchen wollten, einen ausgebrochenen Krieg , den wir nicht zu verhindern mochten, in seiner Ausführung behindern zu wollen.“


(Brief vom 24. Juni 1916 aus dem Nachlaß Kautskys, zit. bei D. Grosser, Vom monarchischen Konstitutionalismus zur parlamentarischen Demokratie, Den Haag 1970, S. 103)


Die Haltung Rosa Luxemburgs

Von der ratlosen Position Kautskys hob sich die Stellungnahme Rosa Luxemburgs deutlich ab. Sie erklärte den Imperialismus als eine zwangsläufige Folgeerscheinung der ökonomischen Bedingungen des Kapitalismus und den Krieg wiederum als eine notwendige Folge des Imperialismus. Angesichts der von ihr dem Proletariat zugeschriebenen Aufgabe, den Kapitalismus zu stürzen, verlor die Unterscheidung von Verteidigungs- und Angriffskrieg ihren Sinn.


Das Treffen des Büros der Zweiten Internationale in Brüssel am 19. Juli 1914, am dem von deutscher Seite Hugo Haase als einer der Parteivorsitzenden und Vorsitzender der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion teilnahm, war in seinen Gesten eindrucksvoll, konnte aber die unterschiedlichen Haltungen der französischen und deutschen Sozialdemokraten zur Frage der Bewilligung der Kriegskredite nicht übertünchen.

Ein weiteres Treffen Hermann Müllers mit französischen Sozialdemokraten im Brüsseler Hauptquartier der Internationale am 1. August verlief frustrierend. Nach der Ermordung Jean Jaures, des führenden französischen Sozialisten in Paris, signalisierten die französischen Sozialdemokraten dem deutschen Vertreter, dass sie geschlossen für eine Bewilligung der Kriegskredite im französischen Parlament stimmen würden. Die Haltung der deutschen Sozialdemokratie war zu diesem Zeitpunkt noch offen.


Die SPD in der Zerreißprobe

Damit waren die deutschen Sozialdemokraten auf sich selbst zurückgeworfen. In der Fraktion der SPD war vor der Abstimmung die Sorge vor zu befürchteten Maßnahmen der Regierung groß. Daher hatte der Parteivorstand beschlossen, den Vorsitzenden Friedrich Ebert und den Kassierer Otto Braun zur Sicherheit mit der Parteikasse in die Schweiz zu schicken. Da Reichskanzler Bethmann-Hollweg von Mitgliedern des rechten Parteiflügels der Sozialdemokratie erfahren hatte, dass es zu keinem Generalstreik und keiner Sabotage kommen werde, suspendierte er die vorbereiteten Maßnahmen gegen die SPD.


hier
Jubiläumsplakat der SPD: Karl Liebknecht, Ferdinand Lassalle und August Bebel, 1913

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In der Fraktionssitzung vom 3. August 1914 schließlich stimmten 14 Abgeordnete, unter ihnen Haase und Liebknecht, gegen die Bewilligung, 78 dafür. Bei der entscheidenden Abstimmung im Reichstag einen Tag später stimmte die SPD unter Einhaltung der Fraktionsdisziplin geschlossen bei zwei Enthaltungen für die Kriegskredite. "Wir lassen in der Stunde der Gefahr das eigene Vaterland nicht im Stich", begründete Hugo Haase die Entscheidung der Sozialdemokratie, die von ihren Gegnern häufig als „vaterlandslose Gesellen“ tituliert worden waren. Gleichzeitig aber appellierte er an die Regierung, auf jegliche Annexionen während des Krieges zu verzichten.


Der Haltung der Arbeiterparteien in Deutschland und in Frankreich entsprach die in Österreich, England und Belgien. In der russischen Duma enthielten sich Bolschewiki und Menschewiki aus taktischen Gründen der Stimme. Nur in Serbien votierten die beiden sozialistischen Abgeordneten mit Nein.


Burgfriedenpolitik

Kaiser Wilhelm II. appellierte an die Parteien im Reichstag : „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche! Zum Zeichen dessen, dass Sie fest entschlossen sind, ohne Parteiunterschied, ohne Stammesunterschied, ohne Konfessionsunterschied durchzuhalten mit mir durch dick und dünn, durch Not und Tod zu gehen, fordere ich die Vorstände der Parteien auf, vorzutreten und mir das in die Hand zu geloben.“


Die ansonsten zerstrittenen Parteien, Gewerkschaften und sogar die Presse stellten für die Zeit des Krieges die öffentlichen Auseinandersetzungen mit der Regierung ein und wollten für die Dauer des Krieges ihre Auseinandersetzungen nicht mehr in die Öffentlichkeit tragen. An die Stelle des vor 1914 propagierten „Klassenkampfes“ war die „Burgfriedenspolitik“ der SPD getreten.


Der Burgfriedenspolitik entsprach seitens der sozialdemokratischen Führung das Bemühen, die bei den inneren Auseinandersetzungen über die Kriegskredite akut gewordene Gegensätzlichkeit der Meinungen nicht in Erscheinung treten zu lassen und die Einheit der Partei zu wahren.


hier
Kaiser Wilhelm II.

Vollbild (28 kb)


Doch die Gegensätze innerhalb der Partei ließen sich nicht lange unterdrücken. Schon im Herbst 1914 wurden innerhalb der Fraktion Zweifel laut, ob der Krieg Verteidigungscharakter habe. Philipp Scheidemann sprach vom Präventivkrieg und Eduard Bernstein schloss sich der linken Opposition an.


Spaltung der SPD

Die radikale Linke der Vorkriegszeit unter Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hatte sich schon 1914 gegen den ausbrechenden Krieg gewandt. Am 3. Dezember löste sich Karl Liebknecht aus der Fraktionssolidarität und stimmte gegen eine erneute Kriegskreditvorlage. Im März und August 1915 blieben die oppositionellen Abgeordneten bei Kreditabstimmungen abwesend. Ihre Zahl innerhalb der Fraktion wuchs bei der Abstimmung über die Kriegskredite von Mal zu Mal; offen gegen die Bewilligung wandten sich am 21. Dezember 1915 im Reichstag 20 Abgeordnete, unter ihnen Hugo Haase; 22 blieben der Abstimmung fern.


hier
Die USPD Fraktion im ersten Weltkrieg: Hugo Haase, zweiter von links, mitte Karl Kautsky, 1915

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Aber selbst die Opposition war in sich alles andere als einheitlich. Politiker wie Haase, Dittmann und Ledebour und der Theoretiker Kautsky wollten auf die Linie einer passiven Opposition zurück, wie sie dem Erfurter Programm und der Taktik der SPD vor dem Kriege entsprochen hatte. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hingegen propagierten den Klassenkampf als Mittel zur Beendigung des Krieges.


In der Opposition fanden sich aber auch Revisionisten wie Eduard Bernstein. Umgekehrt gehörten zu Befürwortern einer aktiven Kriegspolitik frühere Anhänger der Parteilinken wie Paul Lensch, Heinrich Cunow und Konrad Haenisch.


G. Krüschet, Ein Brief Konrad Haenischs vom 4.10.1914 an Karl Radek zur Politik des 4. August 1914, Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, im Auftrag der Historischen Kommission Berlin, H. 14 (1971)


Ziele der Parteiführung

Die Majorität der Partei beschritt mit ihrer Bewilligung der Kriegskredite den Weg des Reformismus. Sie wollte die Partei aus dem Ghetto herausführen, in welchem sie durch ihre eigene Ideologie und die Feindschaft der herrschenden Schichten festgehalten worden war. Die SPD hoffte, durch die Übernahme von Verantwortung auf eine Änderung des preußischen Dreiklassenwahlrechts im Besonderen und auf eine Umwandlung des politischen Systems in eine demokratische parlamentarische Monarchie im Allgemeinen hinwirken zu können. Um die eigene taktische Position nicht zu gefährden, vollzog man eine klare Trennung von der revolutionären Linken.


hier
Wahlplakat der USPD, 1918

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Im Januar 1916 wurde Karl Liebknecht aus der Fraktion ausgeschlossen, im März bildeten 18 Abgeordnete der gemäßigten Parteilinken unter Hugo Haase eine eigene Fraktion als Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft.

Die USPD

Auf der Gothaer Konferenz vom 9. bis 11. April 1916 sagte sich die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft gänzlich los und konstituierte sich als Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. In den Augen der Unabhängigen führte die von der Fraktionsmehrheit unterstützte Kriegspolitik der Monarchie nur zu einer Verewigung der bestehenden Gesellschaftsstruktur, denn dieser Krieg diene nicht der Vaterlandsverteidigung, sondern – wie die Parolen der Vaterlandspartei eindringlich zu bestätigen schienen – der Eroberung zum Nutzen der herrschenden Klassen. Sie forderten daher sofortigen Friedensschluss und stimmten im Reichstag gegen die Bewilligung weiterer Kriegskredite.


hier
Karl Kautsky, Parteiführung der USPD

Vollbild (147 kb)


Die durch den Krieg aufgeworfenen Fragen - ob nationale Solidarität und Kampf bis zum Sieg mit wenn möglich gewissen Annexionsgewinnen (vor allem von Gewerkschaftsführern vertreten) oder internationale Klassensolidarität mit sofortigem Frieden ohne Gewinn hatten zur Spaltung der Arbeiterpartei geführt, ohne den bereits vor Kriegsbeginn vorhandenen Konflikt zwischen Revisionisten und Marxisten, zwischen Bernstein und Kautsky zu überwinden. Die vorgenommene Spaltung schnitt quer durch die alte Scheidelinie zwischen Revisionisten und Marxisten hindurch. So schlossen sich sowohl Bernstein wie Kautsky der USPD an; andererseits bleiben ehemalige Opponenten gegen den Revisionismus, wie Lensch und Cunow bei den Mehrheitssozialisten.

Der Spartakusbund

Die Gruppe „Internationale“, nach ihren illegalen Mitteilungsbriefen bald bekannter als „Spartakus-Gruppe“ innerhalb der USPD ging noch einen Schritt weiter. Man dürfe auf den Umsturz nicht nur passiv warten, sondern könne und müsse ihn auch aktiv herbeiführen durch „Massenaktionen“ und die Mobilisierung der Arbeiterschaft gegen das herrschende System. Der Spartakusgruppe, der späteren Keimzelle der KPD, fehlte es allerdings an der erforderlichen Organisation.


Zahlenmäßig äußerst klein blieb die Spartakusgruppe bis zum November 1918 ohne jeglichen Einfluss auf die politischen Ereignisse, zumal sich ihre Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht seit 1915 bzw. 1916 in Haft befanden. http://www.marxistische-bibliothek.de/programmkpd.html



hier
Parteitag der USPD in Berlin

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Die Revolutionären Obleute

Der straff organisierte Kreis von Funktionären der Berliner Metallarbeitergewerkschaft hatte in den großen Betrieben hingegen erheblichen Einfluss auf die Arbeiter und war an dem großen Brotstreik vom April 1917 und am Januarstreik 1918 maßgeblich beteiligt. Im Gegensatz zur Spartakus-Gruppe bestand ihre Taktik nicht in der Massenaktion, sondern in der geheimen Verschwörung, deren im wesentlichen auf Berlin beschränkte Wirksamkeit als „Stoßtrupp der Revolution“ aber dennoch erheblich überschätzt wurde.


hier
Foto vom Januarstreik, 1918

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All diese Gruppen waren weniger Urheber als Ausdruck einer bereits vorhandenen Unzufriedenheit unter der Arbeiterschaft, besonders da, wo man sich mit ihren Interessen von den „Mehrheitssozialisten“ nicht mehr vertreten glaubte. Dieses Konkurrenzverhältnis rivalisierender sozialistischer Gruppen beeinflusste auch das taktische Verhalten der MSPD, die an ihrer Unterstützung der Kriegswirtschaft der kaiserlichen Regierung unverändert festhielt.

Das Dilemma der MSPD

Die Spaltung der Arbeiterschaft brachte die MSPD in eine schwierige Lage. Es bestand die Gefahr, dass ihnen die Massen unter dem Eindruck der russischen Revolution und der radikaleren Forderungen der Unabhängigen entglitten. Daher pochte sie nunmehr intern auf eine Friedenspolitik Deutschlands und sprach sich zunehmend für mehr innere Reformen aus, insbesondere eine Reform des preußischen Wahlrechts und eine Parlamentarisierung der Reichsverfassung.


hier
Delegation der MSPD (Friedrich Ebert, Eduard David und Richard Fischer)

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Der Interfraktionelle Ausschuss und die Friedensresolution

1917 bildete die MSPD, zusammen mit der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) und dem Zentrum den „Interfraktionellen Ausschuss“, welcher in der Friedensresolution am 19. Juli 1917 den Verzicht von Annexionen forderte:


„Wie am 4. August 1914 gilt für das deutsche Volk auch an der Schwelle des vierten Kriegsjahres das Wort der Thronrede: Uns treibt nicht Eroberungssucht. Zur Verteidigung seiner Freiheit und Selbstständigkeit, für die Unversehrtheit seines territorialen Besitzstandes hat Deutschland die Waffen ergriffen. Der Reichstag erstrebt einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker. Mit einem solchen Frieden..... sind erzwungene Gebietsabtretungen, politische, wirtschaftliche und finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar. Der Reichstag weist auch alle Pläne ab, die auf die wirtschaftliche Absperrung und Verfeindung der Völker nach dem Frieden ausgehen. Die Freiheit der Meere muss sichergestellt werden. Nur ein Wirtschaftsfriede wird dem freundschaftlichen Zusammenleben der Völker den Boden bereiten. Der Reichstag wird die Schaffung internationaler Rechtsorganisationen tatkräftig fördern.“ (Stenographische Berichte des Reichstags, Band 310, S.3573)


hier
Eduard David, MSPD; Später erster Präsident der Nationalversammlung in der Weimarer Republik

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Text: Tobias Eder


Literatur und Internetressourcen:
www.SPD.de - Geschichte
www.dhm.de/lemo - Innenpolitik im Kaiserreich)
Volker Berghahn, Das Kaiserreich 1871-1914.
Industriegesellschaft, bürgerliche Kultur und autoritärer Staat. Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, 10. Auflage, Band 16; Stuttgart 2003; S. 305-332;
Michael Stürmer, Das ruhelose Reich. Deutschland 1866-1918; Berlin 1994
K.D. Erdmann, Die Zeit der Weltkriege, Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte, 9. Auflage, Stuttgart 1973
Hagen Schulze, Weimar. Deutschland 1917-1933; Berlin 1982
Walter Tormin (Hrsg.), Die Weimarer Republik; Hannover 1973

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